Vielleicht ist die wichtigere Frage eine ganz andere.
Die Einschulung rückt näher.
Und plötzlich scheint es überall Listen zu geben.
Kann dein Kind seinen Namen schreiben?
Kann es bis 20 zählen?
Kann es sich alleine anziehen?
Kann es einen Stift richtig halten?
Kann es sich konzentrieren?
Kann es Regeln einhalten?
Kann es warten, bis es an der Reihe ist?
Und vielleicht kennst du diesen Moment:
Du sitzt mit deinem Kind am Tisch, möchtest eigentlich nur ein bisschen „üben“ – und plötzlich merkst du, wie du innerlich anfängst zu vergleichen.
„Das andere Kind kann das doch schon.“
„Müsste mein Kind nicht langsam …?“
„Ist es wirklich schon bereit?“
Ich kenne diese Gedanken nicht nur aus meiner Arbeit mit Kindern und Familien.
Ich kenne sie auch als Mama.
Denn wenn das eigene Kind vor einem neuen Lebensabschnitt steht, schaut man plötzlich mit einem ganz anderen Blick hin.
Man möchte, dass es gut vorbereitet ist.
Dass es einen guten Start hat.
Dass es sich zurechtfindet.
Dass es nicht überfordert ist.
Und natürlich möchte man ihm möglichst viel mitgeben.
Aber genau hier lohnt es sich, einmal innezuhalten.
Denn Schulfähigkeit bedeutet nicht, dass ein Kind vor der Einschulung bereits alles können muss, was es in der Schule lernen wird.
Schulfähigkeit ist keine Checkliste
Aus pädagogischer Sicht ist Entwicklung immer ein Zusammenspiel verschiedener Bereiche.
Dazu gehören zum Beispiel sprachliche und kognitive Fähigkeiten, Motorik, soziale Kompetenzen, emotionale Entwicklung und zunehmende Selbstständigkeit.
Aber diese Bereiche entwickeln sich nicht bei jedem Kind gleich schnell und schon gar nicht gleichzeitig.
Vielleicht kann ein Kind wunderbar erzählen, ist aber beim Anziehen noch langsam.
Vielleicht kann ein anderes schon erstaunlich lange bei einem Puzzle bleiben, wird aber schnell wütend, wenn etwas nicht gelingt.
Vielleicht ist ein Kind sehr selbstständig, braucht aber bei neuen Situationen zunächst seine Zeit.
Das macht keines dieser Kinder „weniger weit“.
Kinder sind keine Checklisten.
Und Entwicklung lässt sich nicht daran messen, ob ein Kind an seinem fünften oder sechsten Geburtstag genau dieselben Fähigkeiten zeigt wie ein anderes.
Was mir als Mama dabei besonders wichtig ist
Wir wollen unsere Kinder stärken.
Und manchmal passiert dabei etwas ganz Unbeabsichtigtes:
Wir schauen so sehr darauf, was noch fehlt, dass wir übersehen, was längst da ist.
„Er muss noch besser zählen.“
„Sie muss sich besser konzentrieren.“
„Er muss selbstständiger werden.“
„Sie muss sich mehr zutrauen.“
Natürlich dürfen wir Kinder unterstützen.
Aber die Frage ist:
Schauen wir dabei eigentlich noch auf das ganze Kind?
Denn vielleicht ist genau das Kind, das sich beim Basteln kaum an die Vorlage hält, unglaublich kreativ.
Vielleicht ist das Kind, das ständig dazwischenruft, voller Ideen und noch dabei, Impulskontrolle zu entwickeln.
Vielleicht ist das stille Kind nicht unsicher, sondern beobachtet erst einmal ganz genau.
Vielleicht braucht das Kind, das bei einer Aufgabe schnell sagt „Das kann ich nicht“, nicht mehr Übung – sondern die Erfahrung:
„Ich darf etwas noch nicht können.“
Was passiert, wenn etwas nicht klappt?
Das ist für mich eine der spannendsten Fragen im Hinblick auf den Schulstart.
Nicht:
„Kann mein Kind schon lesen?“
Sondern:
„Was macht mein Kind, wenn etwas schwierig wird?“
Gibt es auf?
Wird es wütend?
Holt es sich Hilfe?
Probiert es eine andere Lösung?
Zieht es sich zurück?
Oder sagt es irgendwann:
„Okay. Ich versuche es nochmal.“
Denn genau solche Situationen werden Kinder in der Schule erleben.
Ein Arbeitsblatt, das schwieriger ist als gedacht.
Ein Buchstabe, der einfach nicht gelingen will.
Ein Streit auf dem Schulhof.
Eine Aufgabe, die die anderen scheinbar schon verstanden haben.
Ein Fehler vor der ganzen Klasse.
Schule besteht nicht nur aus dem, was Kinder können.
Sie besteht auch aus all den Momenten, in denen sie etwas noch nicht können.
Und deshalb ist es so wertvoll, wenn ein Kind nach und nach lernt:
„Ich muss es nicht sofort können. Ich darf es ausprobieren.“
Das ist Selbstwirksamkeit.
Und genau dieses Gefühl kann unglaublich viel tragen.
Ein Kind muss nicht wissen, dass es „selbstwirksam“ ist
Das Wort klingt erst einmal ziemlich fachlich.
Für ein Kind kann es ganz einfach bedeuten:
„Ich kann etwas verändern.“
„Wenn mein Turm umfällt, kann ich ihn anders bauen.“
„Wenn ich etwas nicht verstehe, kann ich fragen.“
„Wenn ich mich mit jemandem streite, kann ich versuchen, darüber zu reden.“
„Wenn etwas heute nicht klappt, kann ich es morgen noch einmal probieren.“
Das sind kleine Erfahrungen.
Aber aus vielen kleinen Erfahrungen entsteht mit der Zeit etwas Großes:
Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Und dann sind da die Stärken
Ich glaube, wir sollten viel öfter fragen:
„Was kann mein Kind eigentlich richtig gut?“
Nicht nur:
„Was muss es noch lernen?“
Vielleicht ist dein Kind:
unglaublich neugierig.
Vielleicht kann es:
wunderbar Geschichten erzählen.
Vielleicht:
merkt es sofort, wenn jemand traurig ist.
Vielleicht:
findet es für alles eine eigene Lösung.
Vielleicht:
kann es sich stundenlang in ein Thema vertiefen.
Vielleicht:
baut, malt, erfindet und gestaltet es ständig.
Vielleicht:
übernimmt es ganz selbstverständlich Verantwortung.
Das sind keine „netten Eigenschaften“.
Das sind Ressourcen.
Und Ressourcen sind etwas, auf das Kinder zurückgreifen können, wenn neue Herausforderungen kommen.
Potenzial zeigt sich nicht immer dort, wo wir danach suchen
Das ist wahrscheinlich einer der Gedanken, die meine Arbeit am stärksten prägen.
Ein Kind, das in der Schule nicht sofort glänzt, kann trotzdem unglaublich viele Fähigkeiten mitbringen.
Ein Kind, das nicht gerne Arbeitsblätter macht, kann hochmotiviert sein, wenn es selbst etwas entdecken darf.
Ein Kind, das nicht besonders laut ist, kann eine starke Beobachtungsgabe haben.
Ein Kind, das häufig Fragen stellt, kann einen enormen Forscherdrang besitzen.
Der erste Eindruck erzählt nie die ganze Geschichte.
Deshalb möchte ich Kinder nicht möglichst schnell einordnen.
Ich möchte sie kennenlernen.
Was Eltern zu Hause tun können
Und dafür braucht es gar kein kompliziertes Programm.
Du musst dein Kind nicht jeden Nachmittag fördern.
Du musst keine zusätzlichen Arbeitsblätter kaufen.
Du musst nicht aus eurem Wohnzimmer einen kleinen Klassenraum machen.
Oft beginnt Stärkenförderung viel einfacher.
Wenn dein Kind etwas selbst ausprobieren möchte:
Lass es.
Auch wenn du die Lösung schon kennst.
Wenn etwas nicht funktioniert:
Frag erst einmal: „Was glaubst du, woran liegt es?“
Wenn dein Kind etwas besonders gut gemacht hat:
Sag nicht nur:
„Super!“
Sondern vielleicht:
„Ich habe gesehen, wie lange du drangeblieben bist.“
Oder:
„Du hast eine ganz eigene Lösung gefunden.“
Oder:
„Du hast gemerkt, dass dein Freund Hilfe braucht.“
Damit benennen wir nicht einfach, dass etwas „gut“ war.
Wir helfen Kindern, ihre eigenen Fähigkeiten wahrzunehmen.
Und genau das ist etwas anderes.
Also: Ist mein Kind bereit für die Schule?
Vielleicht ist dein Kind noch nicht in allem so selbstständig, wie du es dir wünschst.
Vielleicht kann es noch nicht alle Buchstaben.
Vielleicht fällt ihm das Stillsitzen schwer.
Vielleicht ist es schüchtern.
Vielleicht ist es schnell frustriert.
Vielleicht braucht es bei manchen Dingen noch deine Unterstützung.
Das darf sein.
Die Frage ist nicht, ob dein Kind am ersten Schultag schon „fertig“ ist.
Die Frage ist vielmehr:
Kann es sich Schritt für Schritt auf Neues einlassen?
Kann es Hilfe annehmen?
Kann es seine Bedürfnisse ausdrücken?
Kann es mit kleinen Misserfolgen umgehen?
Hat es Menschen, bei denen es sich sicher fühlt?
Und vielleicht die wichtigste Frage:
Weiß dein Kind, dass es etwas kann?
Denn Schule beginnt nicht mit Leistung.
Sie beginnt mit einem Kind, das einen neuen Schritt wagt.
Mit Aufregung.
Mit Vorfreude.
Vielleicht auch mit ein bisschen Angst.
Und mit ganz vielen Dingen, die es noch nicht weiß.
Das ist kein Zeichen dafür, dass es nicht bereit ist.
Das ist Kindheit.
Und genau deshalb möchte ich Kindern nicht vermitteln:
„Du musst jetzt bereit sein.“
Sondern:
„Du darfst dich auf deinen Weg machen. Und du musst ihn nicht schon kennen.“
Vielleicht ist die wichtigste Frage vor der Einschulung deshalb nicht:
„Ist mein Kind bereit für die Schule?“
Sondern:
„Weiß mein Kind, was schon in ihm steckt?“
Denn ein Kind muss nicht alles können.
Es muss nicht überall gut sein.
Es muss nicht das schnellste, lauteste oder selbstständigste Kind sein.
Es darf sein eigenes Tempo haben.
Und es darf Schritt für Schritt entdecken:
Das kann ich.
Das interessiert mich.
Das fällt mir schwer.
Da brauche ich Hilfe.
Das möchte ich ausprobieren.
Und vielleicht ist genau das ein richtig guter Start in die Schule.
Stark starten
Genau hier setzt meine 1:1-Potenzialbegleitung für Vorschulkinder an.
Als Mama und angehende Sozialpädagogin ist mir wichtig, nicht nur auf das zu schauen, was ein Kind noch lernen soll, sondern auf den ganzen Menschen dahinter.
Ich komme zu euch nach Hause und nehme mir Zeit, euer Kind in seiner vertrauten Umgebung kennenzulernen.
Wir schauen spielerisch und ohne Leistungsdruck auf:
Stärken · Interessen · Kompetenzen · Selbstwahrnehmung · Ressourcen
Anschließend gibt es ein persönliches Gespräch mit euch als Eltern.
Wir sprechen darüber, was ich beobachtet habe, welche Stärken sichtbar geworden sind, was euer Kind braucht und wie ihr es im Alltag weiter stärken könnt.

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